Wednesday, July 16, 2008

Fast Food Comedy

Manchmal erübrigt sich jeder Kommentar. Stichworte reichen:
McDonalds verschenkt Kresse zum Selbstanpflanzen, McKresse sozusagen. Was aussieht wie ein neuer Scherz der großartigen Yes Men, ist längst Wirklichkeit:

Noch besser macht es allerdings die NATO: Deren neues Image soll ihnen passenderweise der ehemalige Coca-Cola Manager Michael Stopford verpassen, wie Atlantic Review in Bezug auf die New York Times vermeldet. Irgendwie klebrig. Soviel zum Thema Imperialismus, hüstel hüstel. Wohlsein!

Saturday, July 12, 2008

Trackbike?

Jetzt also auch hier: Trackbikes sind der Fahrradhype des Sommers.

In San Francisco konnte man schon vor 3 Jahren kaum einen Hipster finden, der ohne Trackbike unterwegs ist. Trackbikes sind Fahrräder, die (optisch durchaus ansprechend) auf so ziemlich ALLES verzichten, was man bei einem Fahrrad so braucht. Keine Bremsen, keine Gangschaltung, kein Licht, von Schutzblechen und Gepäckträger ganz zu schweigen. Sehen etwa so aus, wie die Räder, mit denen in den 1920er Jahren Hallenrennen gefahren wurden.

Als ich so ein Rad zum erstem Mal sah, dachte ich: Wow, super, so ein Rad sieht ja toll aus, muss NIE gewartet werden (ist ja nix dran, was kaputt gehen könnte) und ist darum sicher auch total billig. Meine naive Schätzung: maximal 200 Dollar. Ist ja nix dran, was viel Geld kosten könnte.

Falsch.

Die Räder kosten um die 1000 Dollar, jetzt auch immer öfter in Deutschland unterwegs (erst gestern habe ich gleich 3 an der Isar stehen sehen). Verdammter, überteuerter Lifestyle-Käse. Wenn schon Minimalismus, dann bitte auch zum fairen Preis.

Wednesday, June 11, 2008

Robert Rauschenberg



Zur Zeit läuft im Münchner Haus der Kunst eine große Rauschenberg Ausstellung. Ich bin ja ziemlicher Fan, vor allem vom Erased Painting, in dem Rauschenberg ein De Kooning Bild wegradiert und das (fast) leere Bilde als sein eigenes Ausstellt (Video hier, Informationen hier) gehört zu meinen Lieblingskunstwerken. Als Robert Rauschenberg vor einigen Wochen starb, bin ich mit dem Fahrrad am Haus der Kunst vorbei gefahren - ich meine mich zu erinnern, dass die Flaggen auf Halbmast hingen.

Die aktuelle Ausstellung befasst sich mit Rauschenbergs Reisen in den Jahren 1970-76: Venedig , Israel, Ägypten (dort war er nur in seiner Phantasie). Seine Objekte stehen frei im Raum, keine Gitter, Absperrungen etc. behindern die Betrachtung. Toll gemacht. Hightlight: Die "early egyptians" (Kartonskulpturen mit Sand, die wie Steine aussehen und auf der Rückseite mit Neonfarben bemalt sind - dadurch entstehen farbige Schatten an der Wand).

Spontane Wertung: 4 von 5 Sternen, und zwar nur deshalb, weil der Film zur Ausstellung ziemlich fad war (und zudem in recht schlechter Bild- und Tonqualität). Ansonsten aber: Hingehen! Die Austellung läuft noch bis zum 14.9.

Sunday, June 8, 2008

Hammelburg Nachtrag

Wieder zuhause, in Sicherheit, keine Minen in München, Scharfschützen auch eher selten.
Was die Odysee zur Bundeswehr gebracht hat?
Hier jedenfalls die Eindrücke von Timo (Vanity Care) und Malte (Nerd it yourself). Lesenswert!

Zunächst mal Einblicke in eine völlige Parallelwelt: Aufstehen um 6h, immer vollverpflegt, grenzwertiger Humor, tolle Wortschöpfungen (Knallschaden, zentraler Meldekopf, Beschussgarten...), Menschen mit dem Aussehen von Männern und den Sprüchen kleiner Jungs.
Hier einige Beobachtungen, unsortiert und assoziativ:
  • Im Lob- und Tadelbuch (sic!) der Kantine steht: " Lob für das gute Blaukraut. Ohne Mampf kein Kampf"
  • Die Puppe, an der wir die "Versorgung Verwundeter" üben sollen, trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ambu-Man". Klingt wie ein von der Krankenkasse (oder vom ADAC) erfundener Superheld
  • Im Ort Hammelburg steht ein tiefergelegter Opel mit verdunkelten Scheiben, auf dessen Windschutzscheibe ein großer Aufkleber der "Böhsen Onkelz" pappt. Auf der Beifahrertür steht in Frakturschrift "Mandy", auf der Fahrertür "André". Soviel Klischee wäre keinem Drehbuchautor erlaubt.
  • Auf einem Flyer, der überall in der Kaserne ausliegt, wird Werbung für eine Party in der lokalen Dorf-Disko gemacht. Attraktion: Saufspiele an der 3-Liter Ölch Machine. Wohlsein! Dazu Cover-Rock.
  • Ein örtlicher Schnapsbrenner wirbt im Haus des "Zentralen Meldekopfs"
    mit Flachen in Penisform:




  • Bundeswehr- und Journalistenhumor werden erst nach etlichen Bieren halbwegs kompatibel. Zum Beispiel als ein schnauzbärtiger Oberfeldsonstwas gegen Mitternacht völlig betrunken in das Unteroffiziersheim kommt (wir haben dort am letzten Abend gegessen), um uns Journalisten verwundert zu fragen, ob unsere Zunft denn kein eigenes Lied habe. "Was seid ihr denn für eine Truppe, ohne Lied?", fragt der Mann mit der Lederhaut und der Kurt Beck Frisur. Und stimmt sein Lied von der Infantrie an, die ihre Feinde dem Boden gleich macht. Für uns schlägt er spontan das Lied "Presse Presse Uffta Uffta" vor. Nun ja.

Hammelburg Tag 5: Geisel der Menschheit

Okay, wir wussten ja, dass es passiert - in unserem Stundenplan steht heute: Verhalten in Stress-Situationen. Und diese Stress Situation lautet: Geiselnahme! Klar, nur ein Spiel, aber kein sehr entspanntes.
Wir fahren im Reisebus, auf einmal stürmen acht Maskierte mit Pazerfaust und Machinengewehr den Bus, wir kriegen die Augen verbunden und verbringen die nächsten vier Stunden an der Grenze bundeswehlicher Belastung: Stundenlanges Knien in furchtbar unbequemer Position, dazu röhrt tibetanischer Kehlkopfgesang auf Dauer-Repeat vom CD-Player. Wo sind wir? Wo sind die anderen Journalisten? Was wollen diese Menschen? Nach ca 2 Stunden Ungewissheit zerren mich die Kidnapper zum Verhör mit dem Klan-Chef "Wujev" - er hört klassische Musik und brüllt in Akzent-Englisch fies herum. Als ich seine Fragen nicht beantworten kann ("is the SDF a good or a bad army?") stellt er mich an die Wand, keine Erschießung, aber sitzen in einer extrem unbequemen Position. Dann lässt er mich - H.M. Schleyer-Style - eine Erklärung in eine Kamera verlesen, dass die UN Frauen vergewaltigt. Nach 15 Minuten mit diesem brüllenden Scheusal unterschreibt man alles.
Nach dem Verhör bin ich fix und fertig, diese Aggression, diese Willkür sind unfassbar. Zur weiteren Demoralisierung werde ich nach 45 Minuten wieder aus dem Gefängnis herausgeführt und muss mit einem kleinen Löffel Sand in eine Plastikflasche füllen. Jede Frage nach dem Sinn dieser Aktion wird mit einem "Shut the fuck up!!" und einer in den Nacken gedrückten Waffe beantwortet. Gut, keine weiteren Fragen. Ich fange langsam an, eine völlige Leere in meinem Kopf zu spüren, meine Gedanken werden immer schwerer zu fassen. Psycho-Terror, der trotz der Simulation seine Wirkung nicht verfehlt. Nach 4 Stunden werde ich aus dem Gefängnis herausgezerrt, muss mich mit gesenktem Kopf und hinter dem Nacken verschränkten Händen aufstellen - Hinrichtung? Nein, Spielende. Als unser Hörsaal-Feldwebel (!) die Übung beendet, blicke ich in verzweifelte Gesichter meiner neben mit aufgereihten Journalistenfreunde- sowas geht an keinem Spurlos vorbei.
Zur Stärkung gibt es serbisches Reisfleisch - ich schlinge zwei große Teller in mich hinein. Essen. Leben. Wahnsinn.
Großes Gelächter gibt es dann später, als wir im Hörsaal die Videos unserer Entführung anschauen: Unser Klassen-Adonis Gordon antwortet beim Verhör auf die Frage nach seinem Namen wahrheitsgemäß mit: My name is Gordon Philipp John-Uwe Alexander Repinski. Ein Name, der eindeutig zu lang für einen Kidnapper ist. Da musste sogar der fiese Geiselnehmer sein Lachen verkneifen...

Interessanter Artikel aus der Springer-Zeitung "Die Welt" zum Hammelburg Seminar hier:

Thursday, June 5, 2008

Hammelburg Tag 4: Blei in die Heide



Heute wird geschossen und explodiert. Um “Gefechtseindrücke zu gewinnen” fahren wir auf eine Sprengplatz (nicht zu verwechseln mit dem Beschussgarten”) und Menschen sprengen Dinge in die Luft. Wir haben Helme auf und knien im Bunker, als 5 Kilo TNT vor uns in die Luft fliegen – laut! Ich finde im Schützengraben einen abgerissenen Schmetterlingsflügel. Klischee! Danach wird ber uns drüber geschossen – ein Scharfschütze ballert einen Luftballon aus ca. 2000000 km entfernung punktgenau weg. Danach schwärmt er von seinem selbstgemachten Tarn-Umhang. So richtig einordnen kann ich das nicht.
Nachmittags dann die erste Entführung – wir fahren im Kleinbus, ein paar Typen mit Waffen ziehen uns aus dem Auto und fordern 8000 $ Wegzoll. Ich will nicht zuviel verraten, aber: schaurig! Wir knien im Wald auf dem Boden und es fängt an zu schütten (neben uns liegt ein abgehackter Plastikarm im Gras).
Gesitig und körperlich verschmutzt (aber frisch gewaschen) gehen wir abends in Offizierscasino, bestellen von einer pastellfarbenen Speisekarte Lasagne und trinken Weissweinschorle. Morgen kommt ja die schlimme Geiselnahme, da will man fit sein.

Tuesday, June 3, 2008

Hammelburg Tag 3: Gute Mine, böses Spiel

Thema heute: Mine Awareness. Wir schauen tief in die Abgründe der menschlichen Seele: Landminen, die bunt aussehen, Menschen Stahlsplitter in die Beine jagen und Kindern die Arme abreissen. Sie sollen extra NICHT töten, sondern "Truppen binden", also Soldaten verwunden, denn dann müssen sich andere Soldaten um sie kümmern müssen. Wo man überall Minen verstecken kann. Wir lösen versteckte Drähte aus, Knallbumm, alle tot. Verdammt.